Unser nächstes Reiseziel ist Kragujevac. Hier möchten wir das Museum von Zastava Oružje besuchen. Dieses Unternehmen ist ein traditionsreicher Waffenhersteller, der auch heute noch die serbische Armee beliefert. Die Informationen auf der offiziellen Website sind widersprüchlich: die serbische Version gibt an - das Museum ist geöffnet, auf der englischen Seite steht - das Museum ist geschlossen.
In der Gegend rund um das Museum hat es wenig Platz und die Verkehrsführung ist aufgrund einer Baustelle zusätzlich erschwert. Halb im Grünstreifen und halb am Parkplatz eingeparkt macht sich Martin auf die Suche nach dem Museum und Gerlinde bleibt am LKW. Leider ist das Museum tatsächlich geschlossen, sehr schade finden wir das 🙃.
Ein weiterer Besichtigungspunkt ist der Park und das gleichnamige Museum des 21. Oktobers.
Wir durchqueren die Stadt, ignorieren dabei gelegentlich ein Verbotsschild, und parken schließlich am Museum. Obwohl das Museum relativ klein ist, vermittelt es tief gehende Einblicke in die Zeit der Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Besonders bewegend sind die ausgestellten Abschiedsbriefe, die trotz der vergangenen Jahrzehnte eine starke emotionale Nähe schaffen.
Der Park erinnert an das Massaker, bei dem am 21. Oktober 1941 deutsche Wehrmachtssoldaten tausende von Zivilisten, darunter viele Schüler und Lehrer, ermordeten. Das Massaker war eine Vergeltungsaktion für den Tod und die Verwundung deutscher Soldaten durch jugoslawische Partisanen. Der deutsche Oberbefehlshaber hatte angeordnet, dass pro getöteter oder verwundeten deutscher Soldat 100 oder 50 jugoslawische Einwohner getötet werden sollen.
Anschließend genießen wir auf der Dachterrasse eines Cafés, das direkt an das Museumsgelände grenzt, zwei Drinks. Es scheint die Sonne ☀️🫶🏻.
Unser heutiger Schlafplatz inmitten der kleinen Äcker, die alle feinsäuberlich bestellt sind. Wir stehen am Kreuzungspunkt der Traktoren 🚜 😂. Einen Bauern fragen wir ob wir hier übernachten können, und mit Daumen hoch nickt er uns wohlwollend zu.
In den folgenden Stunden beobachten wir das rege Treiben um uns herum. Milo und Aero, die auch beide draussen sind, genießen den Freiraum.
Ganz viele leichte Traktoren gibt es hier, ausgestattet mit allem was es braucht für ein entschleunigtes Überleben. Die Zufriedenheit steht diesen Menschen im Gesicht 😊.
Der nächste Tag beginnt trocken, und unsere Reise führt uns weiter in Richtung Osten. Unser Ziel ist das beeindruckende Wehrkloster Manasija. Richtig, in den letzten Tagen haben wir bereits mehrere Klöster besichtigt. Doch diesmal sind es vor allem die mächtigen Wehrtürme und die imposanten Burgmauern, die uns faszinieren und zum Besuch einladen.
Das Kloster ist von einer starken Doppelmauer mit 12 Türmen umgeben. Diese Wehranlage gilt als die vollendetste in Serbien im Mittelalter. Als einzige serbische Festung wurden die Wehrtürme mit kleinen Balkonen, sogenannten Maschikuli, ausgestattet. Insgesamt 139 Maschikuli waren für die Verteidigung eingerichtet. Der Hauptverteidigungsturm der Anlage, ist der große Donjon mit einer Höhe von 32 Metern.
Der Zugang zur Burgmauer ist ausschließlich im Rahmen einer Führung möglich. Wir entscheiden uns dafür, die 5 Euro zu investieren, und steigen hinauf. Trotz der laufenden Renovierungsarbeiten genießen wir von oben eine beeindruckende Aussicht, die einen völlig neuen Blickwinkel auf die Umgebung eröffnet. Während der Führung erfahren wir, dass der Zugang zum Donjon damals nur über Leitern möglich war. Zudem wurde erklärt, dass Vorräte und Wasser für etwa 100 Personen für zwei Jahre gelagert werden konnten. Allerdings kam der Turm in dieser Form nie zum Einsatz.
Wir fahren die kleine Strasse weiter und erreichen eine idyllische Quelle und das dazugehörige Fischrestaurant. Wir spazieren die wenigen hundert Meter zur Quelle und wie bereits in Blagaj 🇧🇦 strömt auch hier eine beeindruckende Menge Wasser aus der Höhle und bietet ein faszinierendes Naturschauspiel.
Dieses Fischrestaurant hält, was die begeisterten Rezensionen versprechen: Es ist einfach ausgezeichnet! Frisch gegrillte Forelle, serviert mit knusprigem, frischem Brot – ein wahrer Genuss. Dazu gibt es ungefiltertes, regional gebrautes Bier, das perfekt das Geschmackserlebnis abrundet.
Gerade als wir fertig sind mit dem Essen, öffnete sich die Tür und die 🇨🇭-er, die wir zuvor im Kloster Studentica getroffen haben, treten ein. Gemeinsam geniessen wir eine Tasse Tee, tauschen Neuigkeiten und nützliche Reiseinformationen aus. Danach trennen sich unsere Wege wieder – ein schöner, unerwarteter Moment 😁.
Wir fahren eine Schotterstraße den Berg hinauf, doch oben angekommen fragen wir uns, ob sich die Mühe wirklich gelohnt hat. Am nächsten Morgen bestätigt sich unsere Vorahnung - die Sichtweite beträgt kaum 10 Meter, und ein feiner Nieselregen liegt in der Luft.
Wir haben genug vom schlechten Wetter und entscheiden uns für die kürzeste Strecke in Richtung Süden, Richtung Niš. Heute darf es ausnahmsweise die Autobahn sein die uns für 90 km 14€ kostet. Für morgen ist schönes Wetter vorhergesagt, so fahren wir doch wieder hoch zu einem Aussichtspunkt, der gleichzeitig ein Startplatz für Paraglider ist. Noch wird der schöne Herbstwald vom grauen Nebel verschlungen. Auch auf unserem Stellplatz ist es grau und düster. Gegen Abend verzieht sich der Nebel und die Sterne, die es doch noch gibt 😅, sind zu sehen ⭐️ 🤩.
Welch eine Wohltat am nächsten Morgen, es scheint die Sonne. Die Nebelfelder in der Ferne geben ein herrliches Stimmungsbild.
Auf dem Weg zurück ins Tal kämpfen wir auf der einspurigen Strasse mit Gegenverkehr: 🚜 & 🚗. Gerlindes Überredungskünste geben uns Vorfahrt oder ist es doch die Masse vom LKW die überzeugt 🤔?
Auf der Fahrt zu einem alten Atombunker machen wir halt beim Monument "Zur verlorenen Schlacht gegen die Osmanen".
Die Schlacht von Čegar war eine Schlacht zwischen osmanischen Truppen und serbischen Aufständischen, die am 31. Mai 1809 stattfand. Die Schlacht dauerte einen Tag. Die Osmanen griffen wellenweise an. Streitigkeiten zwischen den serbischen Anführern führten zu einer Schwächung der serbischen Truppen. Das bestätigte auch ein damaliger Protokollführer, der es auf den Rand eines kirchlichen Buches schrieb: „Bei Čegar starb die serbische Armee, die Anführer bekämpften sich gegenseitig und verrieten die Armee“. Schließlich schlugen die osmanischen Truppen die Serben vernichtend.
Die Weiterfahrt zum Bunker endet abrupt im nächsten Dorf. Die Straßen sind breit genug, aber es scheint das ganze Dorf hat Besuch und die Strassen sind zugeparkt und mit Autos verstopft. Hier ist für uns kein Weiterkommen, wir kehren um und machen uns auf den Weg nach Niš.
Das tolle Wetter bietet viele Fotomotive - buntes Laub, Todesanzeigen, Bienen, Lehmhäuser
Als erstes besuchen wir den Ćele Kula. zu deutsch Schädelturm. Der Turm ist mit den Gebeinen der Gefallenen von Čegar errichtet.
Ćele Kula ist quaderförmig und heute nur noch drei Meter hoch. Errichtet wurde er auf Befehl von Hurşid Ahmed Pascha aus Calciumoxid, Sand und den Schädelknochen der Aufständischen aus der Schlacht von Čegar. Jede Seite des Turms hatte 14 Reihen mit je 17 Öffnungen, wo die Schädelknochen eingemauert wurden. Bei der Fertigstellung waren es 952 Schädel von insgesamt ca. 3000 Gefallenen. Heute sind nur mehr 58 erhalten, da mit der Zeit die meisten gestohlen oder herausgenommen wurden, um „beerdigt“ zu werden.
Um 1505 Uhr stehen wir vor dem Tor des Konzentrationslager Crveni krst (deutsch Rotes Kreuz). Leider haben wir übersehen, dass das KZ um 1500 schliesst und erst wieder übermorgen öffnet.
Wir fahren weiter zum Bubanj-Hügel am Stadtrand von Niš. Hier wurden rund 10´000 Gefangene erschossen und in Massengräbern verscharrt. Wir schlendern durch den Park und bestaunen das Monument.
Die drei Betonobelisken, die erhobene Hände mit geballten Fäusten symbolisieren. Jede der drei Fäuste hat unterschiedliche Größen und zeigt die Hände von Männern, Frauen und Kindern, die sich dem Feind widersetzen, symbolisch für die Tatsache, dass ganze Familien in Bubanj getötet wurden.
Am Weg Richtung "Teufelsstadt" übernachten wir in der Nähe einer verfallenen Burg. Der Ort hat eigentlich seinen Reiz, doch leider ist er stark vermüllt. Auf dem Zufahrtsweg entdecken wir ein Restaurant, doch nachdem wir geparkt und die Tiere versorgt haben, entscheiden wir doch selber zu kochen. Der ruppige und steile Rückweg vom Restaurant mit vollem Bauch und Bier ist uns zu wild 😇.
Wir steigen hoch zur Ruine, die eine gute Fernsicht bietet und finden an den Mauern eine Gottesanbeterin🙃.
Seit gestern macht uns der Kühler des MIMOG etwas Sorgen. Er verliert ein wenig Kühlmittel und wir versuchen den Kühler provisorisch abzudichten.
Obwohl die Strasse relativ breit ist, lässt ihr Zustand es nicht zu, schneller als 40km/h zu fahren. So sehen wir einige spannende Dinge.
Yugo ist für uns ein Schimpfwort, es gibt tatsächlich auch eine Automarke und das Thema Ladungssicherung wird bei uns völlig überbewertet 😆.
Das Naturdenkmal "Teufelsstadt" beeindruckt mit zwei faszinierenden Naturphänomenen: außergewöhnlichen Bodenformationen, die einzigartige Reliefstrukturen bilden, und zwei Quellen mit extrem saurem, hochmineralisiertem Wasser.
Nach einem ereignisreichen Tag schlagen wir unser Nachtlager auf einer idyllischen Lichtung nahe der "Teufelsstadt" auf. Auf dem heutigen Speiseplan: Strudel, Version II. Diesmal testen wir einen neuen Teig und lassen das Kraut vorher roh, anstatt es anzudünsten. Das Ergebnis überzeugt uns.
Während der Strudel im Omnia-Backofen langsam fertig wird, genießen wir den ersten Sonnenuntergang seit langer Zeit – Eine wahre Marienkäfer-Invasion zwingt uns den LKW um 180 Grad zu drehen. An der sonnigen Eingangstür tummeln sich 100 Glückskäfer und wir können nicht Aus- und Einsteigen ohne auch im Koffer eine Invasion zu haben 🐞🙈.
Zufälligerweise fährt der Besitzer der kleinen Wiese noch mit seinem VW Bus T3 (voll beladen mit Holz) vorbei und mit seinem 👍🏼 schläft es sich doch gleich besser (🇦🇹 sieht das ja nicht so eng, aber 🇨🇭 soll ja auch gut schlafen 😂)
Areo ist 10. Das wird gefeiert 🎊🎁🙌🏼🍾🥂🥳🎉
Die Route nach Nordmazedonien von unserem aktuellen Standort läuft entlang einer Hügelkette und teils im Wald. Zur Alternative steht eine grössere Strasse mit einem Umweg von 100km.
Die Fahrt durch den Wald erweist sich als abwechslungsreich, spannend und landschaftlich reizvoll. Es gibt einige Momente, in denen die Spannung steigt. Kurz bevor wir wieder auf eine befestigte Straße gelangen, stoßen wir auf einen Bautrupp der serbischen Armee, der eine Straße zu einer Radarstation saniert. Eine ihrer Baumaschinen ist im Schlamm steckengeblieben, weshalb wir kurz warten müssen. Die Weiterfahrt bleibt holprig.
Heute Abend verbringen wir die Nacht inmitten einer idyllischen Zwetschgenplantage. Auch hier lernen wir den Grundbesitzer kennen, der uns herzlich willkommen heißt und seine Zustimmung gibt 👍🏼. Gemeinsam stoßen wir mit einem Zwetschgen-Schnaps an, bevor wir unser Abendessen zubereiten. Anschließend verabschiedet er sich und fährt mit seinem Traktor und Pflug zurück nach Hause oder weiter zu seinem nächsten Feld.
Das trockene Wetter begleitet uns bis zum Einkauf in Leskovac. Danach ist es vorbei – Regen setzt ein und bleibt unser Begleiter auf der weiteren Fahrt. Die Straßen heute sind größtenteils in gutem Zustand, nur der Abschnitt in Richtung der nordmazedonischen Grenze ist etwas schmaler. Es gibt wieder viel zu sehen: von Lkw´s der Marke FAP (Fabrika Automobila Priboj), Parkplätze die etwas anders aussehen, Friedhöfe mit überdachten Gräber und vieles mehr.
In Leskovac bleiben wir bei der Suche nach Eiern erfolglos, also versuchen wir unser Glück später in einem kleinen Laden. Martin kehrt mit zehn Eiern zurück, verpackt in einem Plastiksack. Der kleine, nostalgische Tante-Emma-Laden erinnert uns an frühere Zeiten. Kurzerhand investieren wir die letzten serbischen Dinar in weitere Lebensmittel und ein paar Snacks. Doch das Einkaufserlebnis endet nicht hier: Wir werden großzügig beschenkt – mit roten und weißen Trauben sowie zwei Äpfeln. Serbische Gastfreundschaft, die wir soviel erleben durften, in ihrer reinsten Form ❣️🥰.
Rund 20km vor der Nordmazedonischen Grenze biegen wir rechts ab und finden eine super coolen Platz - aber nur wenn man was sehen würde 😶🌫️🌁🌫️😶🌫️.
Wir kochen uns eine Omelette (🇨🇭) oder Eierspeise (🇦🇹) im Omnia. Wir schlagen uns die Wampe voll 😋!
Wir reisen eher langsam 🤭, man könnte sagen "SEHR" langsam 😂, 2865 km in 37 Tagen ergibt einen Schnitt von 77,4 km pro Tag und uns gefällt das 😝👍🏻!!