04 - 🇧🇦 🇷🇸 - Serbia - From the Bosnien Forest to the Serbian Forest 08.10.2025 - 15.10.2025

Veröffentlicht am 17. Oktober 2025 um 22:24

Die letzte Nacht im bosnischen Višegrad liegt hinter uns, die Wassertanks sind aufgefüllt und wir reihen uns  am Grenzübergang nach Serbien in der LKW Spur ein. Mit einem netten Lächeln vom Grenzbeamten und einer Handgeste zur PKW Spur, wechseln wir in diese.  Das hatten wir doch schon  😁, sollten wir uns merken 😎. Unsere Pässe sind schnell kontrolliert und diesmal sind auch Hund&Katz ein Thema. Martin erklärt die Impfungen im Heimtierausweis und die nette Dame strahlt wohlwollend🤭.

Um 10:30 Uhr kaufen wir am Schalter der Šargan-Bahn in Mokra Gora Karten für den Nachmittag Zug um 1330. Der Geldautomat für serbische Dinar muckt und jede Taste muss gefühlt 10x betätigt werden. Die Karten können nur mit Bargeld bezahlt werden💪🏻. Das Bahnhofsgelände bietet einige Kuriositäten zur Besichtigung. Zurück am LKW nützt Milo eine unaufmerksame Sekunde von uns und springt aus dem LKW. Zum Glück läuft er nicht davon und lässt sich gleich hochheben. Monsieur Kato verkennt die Situation 🤨 und vor allem die vielen Hunde die am Gelände hausen. So ein Kätzchen ist vielleicht grad ein gefundenes Fressen 😱. 

Die Abfahrt verzögert sich etwas und wie wir später erfahren, hat die Bahn vor uns einen technischen Defekt auf der Trasse.  Die Bahnbedienstete, die vorher im Souvenir Laden verkauft hat, versucht die Touristen hinter die Linie zu pfeifen. Sicherheit muss sein wenn der Zug einfährt. Erfolg hatte sie keinen.

Die Bahn, gezogen von einer Diesellokomotive schlängelt sich in unzähligen Windungen und Kehren den Berg hinauf bis nach Šargan. Auf der Rückfahrt wird an vielen Stellen angehalten und man kann die Aussicht geniessen oder einfach sitzenbleiben. Wir haben Eis gekauft 🍦🍦😋.

 

Die Šargan Bahn ist eine Schmalspurbahn die in einer achter Schleife angelegt ist, eine serbische Ingenieurskunst.  Die Nordrampe der österreichischen Mariazellerbahn oder die Gotthardbahn mit den Kehrtunnels in Wassen werden fast ein wenig in den Schatten gestellt mit dieser Schleife. 🤭

 

Die Bahn über das Šargan-Gebirge in Westserbien wurde in den 1920er-Jahren erbaut. Den Niedergang dieses einzigartigen Schmalspurnetzes, das Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro erschloss, brachte der Bau normalspuriger Neubaustrecken. Nach dem Bürgerkrieg  beschloss der serbische Tourismus- und das Eisenbahnministerium den Wiederaufbau der Strecke von Mokra Gora nach Šargan die 2023 wiedereröffnet wurde.

Auf das sich in  der Nähe befindliche und angeblich sehenswerte  Filmdorf Drvengrad im Retrolook verzichten wir und fahren den Berg hoch für die Nacht. 

 

Martin plant die Route zum nächsten Ziel, die idyllisch durch den Wald führt und hoch oben über die Berge verläuft. Gerlinde stimmt zu, und entgegen aller Erwartungen ist die Straße gut ausgebaut und bietet ausreichend Platz für MIMOG. Unterwegs entdecken wir zahlreiche neue Chalets und genießen die beeindruckende Landschaft.

Wir erreichen den wunderschönen Stausee Zaovinsko, der mit seinem kristallklaren Wasser und traumhaften Wetter verzaubert. Besonders für uns ist die Fischzucht mitten im Stausee. Die idyllische Aussicht und die absolute Ruhe laden uns dazu ein, an diesem Ort zu verweilen. Nach einer kurzen Fahrt über eine Schotterpiste gelangen wir direkt ans malerische Ufer des Sees. Hund und Katz sind bei uns draussen und wir backen im Omnia Krautstrudel 😋.

Der Morgen ist  trüb, wie schon so viele Morgen und wir fahren zum berühmten Drina Fluss Haus. Die Fahrt dorthin führt über eine steile und teilweise enge Strasse hinunter an die Drina und weiter durch Bajina Bašta. Der Verkehr in der Stadt ist emsig, es ist eng und trotzdem ist keine Hupe zu hören.

Das Drina-Flusshaus – serb. Kućica na Drini – steht in der Drina, dem Grenzfluss zwischen Serbien und Bosnien und Herzegowina. 

Aus den Brettern eines ausgedienten Schuppens bauten jugendliche Schwimmer 1968 zunächst eine Liegeplattform. Boot- und Kajakfahrer machten daraus 1969 eine Schutzhütte für Wasserwanderer. Das Baumaterial wurde ein paar Kilometer flussaufwärts ins Wasser geworfen und an der Insel wieder abgefischt. Seither mehrmals von Hochwasser fortgerissen, wurde die Hütte immer wieder aufgebaut. Berühmt und zum Tourismusmagneten wurde das Haus aufgrund eines Artikels im Lonely Planet 2017.

Die Weiterfahrt führt uns über holprige Strassen zum Kadinjača Memorial Complex. Völlig überraschend taucht dieses Monument auf und wir halten an. Die Gedenktafel in kyrillischer Schrift verstehen wir nicht.

Die Recherche im Internet ergibt: Dieses Memorial erinnert an die gefallenen Partisanenkämpfer aus Posavina und Orasje, sowie an alle Kämpfer des Arbeiterbataillons, die an diesem Ort während der Schlacht von Kadinjača am 29. November 1941 im Kampf gegen die deutschen Truppen ums Leben kamen.

Auf der Fahrt passieren wir die Stadt Užice (52000 Einwohner). Was für eine Stadt! Martin ist sprachlos. da hat wirklich jedes Haus Hanglage. Vor den kleine Einkaufsgeschäften, Bäckereien oder Was-auch-immer-Laden wird auf der Hauptstrasse geparkt. Es geht einfach nicht anders, es hat keinen Platz. Der Talboden ist gefühlte 20m breit und links und rechts davon die Häuser mit Hanglage 🧐 🤣. 

Die Sonne steht schon tief und wir parken neben einem Friedhof auf einem Hügel ein. Ein Bauer signalisieren uns 👍🏼. Der Zweite mit Traktor stoppt auf einen Tratsch 😁. Im Land der alten kleinen Traktoren läuft die Zeit ein wenig langsamer wie anders wo. 

So vis-a-vis von den Gräbern fällt uns auf -  nur das Datum fehlt noch. Hier bettet man sich rechtzeitig, auch Geburtsjahre 1960 und 1970 haben schon vorgesorgt. 🙈

Nach dem Morgenkaffee starten wir zur Stopić Höhle.  Die Rezessionen der Höhle haben uns angesprochen und klangen interessant. Die Übersetzung am Hinweisschild hat wohl nicht ganz geklappt. Wir können uns nicht vorstellen das  "Achtung!!! Es ist verboten auf dem Weg zu bleiben" gemeint ist.

Die Eintrittspreis für die kleine Kalksteinhöhle, die gut gepflegt und schön ausgeleuchtet ist, beträgt nur 3.50 € Der 300m lange Fussweg zur Höhle ist nicht barrierefrei und hat die Dame Mitte 30ig vor uns zum Ausspruch bewegt: "Hier sterbe ich"! Das Lächeln können wir uns nicht verkneifen und gestorben ist sie natürlich auch nicht! 😝

Die Weiterfahrt über Zlatibor - Nova Varoš - Sjenica ist eine richtige Berg und Talfahrt 🤪🤪🤪. Beim Wassertanken treffen wir zwei muslimische Frauen, die nur noch Kater Milo sehen und bestaunen . Kurz darauf stoppt uns die Polizei. Die erste Vermutung der Beifahrerin, dass wir zu schnell sind, ist falsch 🤣. Der interessierte Wächter der Strasse empfängt uns mit einem "Guten Tag". Nach ein wenig Plauderei über den LKW fahren wir eine kleine Schotterstrasse hoch für unser Nachtlager. Eine kleine Hundegang zieht an uns vorüber und  Milo fängt, obwohl er an der Leine ist, seine erste Maus 🐭. 

Das trüber Wetter, dass uns seit 3 Wochen verfolgt ist auch am nächsten Morgen noch da 🙈.  Der Aussichtspunkt Vidikovac Molitva bietet einen atemberaubenden Blick auf den Uvac und seine beeindruckenden Schleifen. Eine Weile haben wir den Aussichtspunkt ganz für uns allein und beobachten fasziniert die majestätischen Fischadler im Flug. Es ist unglaublich, wie diese Vögel die Thermik für ihre eleganten Manöver nutzen – wir sind einfach sprachlos. Schade für die Bilder, mit Sonne wären die Herbstfarben viel leuchtender.

Auf der Weiterfahrt nehmen wir eine Schotterstrasse und folgen dieser. Die Zäune am Wegrand haben ganz spezielle Isolatoren/Drahthalter. Ein Stück Kunststoff um den Holzpfahl gewickelt, den Weidedraht rundherum und gut ist. So sehen einfache und funktionierende Lösungen aus💪🏻.

Die Fahrt führt durch endlose Mischwälder und neu auch vorbei an unzählige Himbeer-Plantagen. Da es vor rund zwei Wochen bis in tiefe Lagen geschneit hat, liegen links und rechts der Strasse unzählige abgebrochene Bäume und Äste. 

Plötzlich in einer Kurve eine Art Kuppel aus Ziegeln, schwarz verfärbt. Ist das der Müllverbrennungsofen vom Dorf?  Als wir den nächsten Ziegelmeiler sehen ist es uns klar -  das ist zum Köhlern. Hier in Serbien wird sehr viel gegrillt und dazu braucht es Holzkohle. 

Auf dem Weg zum Kloster Studenica passieren wir ein neues Viewpoint Schild 14,5km. Unsere Karte zeigt diesen Aussichtspunkt nicht. Wir sind neugierig und fahren nach der Beschilderung. Die Strasse dorthin wird neu gemacht und das dauert wohl noch ein wenig 🤭. Kurz vorm Viewpoint parken wir ein, es ist schon fast dunkel. 

Zwei Bauern mit Ihren Traktoren rattern noch an uns vorbei. Auch hier ein kurzes Hallo, wie gehts und dann ab nach Hause mit der Ladung Holz.

Nach dem Frühstück gehen wir mit Aero zum Viewpoint und geniessen die "graue" Aussicht 🤭. Fototechnisch einfach Schade für die schöne bunte Herbstlandschaft 🙈.

Auf der Fahrt zum Kloster Studenica noch kurz das ehemalige Kloster von Pridvorica besuchen. Die serbisch orthodoxen Klöster stammen aus dem 12 Jahrhundert

Beim Kloster Studenica sprechen uns zwei 🇨🇭-Reisende an, deren Mercedes Sprinter uns schon in Višegrad aufgefallen ist. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt und erfahren auch vom technischen Defekt der Bahn in Mokra Gora. Die beiden haben vor rund zwei Jahren alles aufgegeben und sind seit dieser Zeit mit den zwei Hunden am Reisen.

Die nächsten 30 km sehen wir die grösste Ansammlung von Holzlastwagen. Später wechseln wir auf die Strasse E-761. Die Strasse ist breit, gut unterhalten und wir fahren wieder mal 80 km/h. Angekommen an der  Festung Maglič sehen wir den Zeitplan der kleinen Fähre über den Fluss. Bis 1600 Uhr müssten wir warten und dann ist es bald dunkel. Wir fahren hoch zu einem kleinen Steinbruch und machen es uns gemütlich. Unser Duschzelt ist hervorragend und einfach aufzustellen - es springt von alleine auf -  ABER das zusammendrehen, legen, falten - ist immer etwas schwierig. Gerli sagt so - heute mach ich das aufs erste Mal und voilà, das macht sie tatsächlich.

Um 0930 fahren wir runter für die Fähre um 1000. Beim Einparken vor der Fähre - ups - ein Kracher, ein Schaukler und weg war das linke Hinterrad, versenkt  in einem Loch 😱.

Der Alu-Guss Deckel, der unter dem Gras verborgen ist hat nicht standgehalten. Mit Hilfe des Fährmannes und am Schluss von ein paar Burg-Besuchern gelingt es uns nach 3 Stunden mühsamer Arbeit MIMOG aus dem Loch zu befreien. Ausser dem Schreck bleibt ein leicht verbeulter Staukasten, den Martin dann zu Hause wieder schön machen wird 🤩 💪🏻. 

Die Festung besuchen wir natürlich trotzdem und geniessen die Aussicht über das Tal. In der Nähe der alten Brücke verläuft eine Bahnstrecke, und unweit davon gibt es einen kleinen, idyllischen Badeteich. Am Anfang des Weges lädt ein charmantes kleines Restaurant ein, das von einem Kulturzentrum betrieben wird. Dort arbeiten derzeit rund acht engagierte Freiwillige. Wir testen das selbstgebraute Bier und eine köstliche Grillplatte mit Ziegen- und Kuhkäse. 

Nach den Bieren und mit vollem Bauch fahren wir wieder in unseren schönen Steinbruch – genug Abenteuer für einen Tag 🤭. Außer für Milo – er genießt es auf seine ganz eigene Art draußen zu sein 😂 💩.

Endlich ein sonniger Tag! Am Morgen repariert Martin den Staukastens soweit, dass er wieder absperrbar ist. Mc Gyver schneidet aus einem alten Blitzableiter im Steinbruch zwei Metallstücke zurecht und fertigt daraus die notwendig gewordenen  Distanzstücke an 👍🏻.  Ob und wie sich der gestauchte Kasten noch ausbeulen lässt sehen wir dann zu Hause wenn wir alles abschrauben. 

Am frühen Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Kloster Žiča. Die gesamte Anlage verströmt eine wohltuende Ruhe, und die schlichte Bauweise der Kirche beeindruckt durch ihre zeitlose Eleganz. Von den drei Klöstern, die wir besichtigt haben, ist jedes auf seine Weise absolut sehenswert.

In Vrnjačka Banja machen wir Halt bei einem der wenigen Waschsalons entlang unserer Route – top modern und blitzsauber. Zum Einbruch der Dämmerung verlassen wir die Stadt, finden einen ruhigen Schlafplatz auf einem abgelegenen Feldweg und trinken noch ein Bierchen vorm Schlafen gehen.