03 - 🇧🇦 - Bosnia-Herzegowina - Land of Trees - 01.10.2025 - 07.10.2025

Veröffentlicht am 8. Oktober 2025 um 19:44

Die Gretchenfrage zum Morgenkaffee: drehen wir um oder fahren wir weiter den Berg hinauf? Richtig -  hinauf und nach rund einer Stunde an einem Wegweiser der Mountainbike-Strecke entscheiden wir umzukehren. Die Strecke ist machbar für Pickups, aber wir müssten viel mit der Axt arbeiten um die tiefen Äste abzuholzen und ..... darauf haben wir keine Lust bei dem feuchten Wetter (.... und sonst wohl auch nicht🤣)

Kurz vor dem Eindunkeln fahren wir südlich von Mostar in Blagaj in das Autocamp Holiday. Ein sehr charmanter kleiner  Platz, in dem wir  Begrüssungsbier & Bananen  erhalten. An diesem Abend stehen ausschliesslich 4x4 Mercedes Sprinter auf diesem Platz und wir 😎. Im Laufe des Abends stürmt es richtig und beim Abwasch fliegen uns die Teller um die Ohren 😬.

Die Idee am nächsten Morgen mit dem Fahrrad  die 15 km nach Mostar zu fahren ist gut, jedoch Aufgrund des Windes verwerfen wir das wieder 🙈. Nach einem gemütlichen Vormittag starten wir am frühen Nachmittag zu Fuss zum Kloster Tekija Blagai. 

Der Fluss Buna, ein nur neun Kilometer langer Nebenfluss der Neretva, entspringt in Blagaj aus einem eindrucksvollen 200 Meter hohen Felsmassiv, an dessen unterem Ende sich eine Art Höhle befindet. Es sieht so aus, als ob das Wasser einfach aus dem Nichts aus dem Gestein herausfließt.

Dieses Naturwunder hat vor Jahrhunderten auch einen türkischen Sultan inspiriert, dass er dort ein Derwischkloster errichten ließ. Zeit und Steinschläge haben zu vielen Reparaturen und Rekonstruktionen des Gebäudes geführt. Heute sieht die Tekija, vor allem dank eines türkischen Reisebüros, größtenteils so aus wie früher.

Bei bekannten Sehenswürdigkeiten hat es immer mehrere Touristen, und die entsprechende Verkaufsware dazu😅. Eindrücklich die Verbotsschilder am Eingang, vor allem das Waffenverbot 🤔. Das Kloster von aussen betrachtet hätte völlig gereicht. 20 Dosen Bier anstelle des Eintrittes, ja das ist nun zu spät 😝.

Die  Bäckerei am Rückweg hat richtig feine Ware.  Zurück am Camping ist schon alles aufgegessen 😋 - wir haben eindeutig zu wenig gekauft.

Die Camping Betreiber schenken uns Kaki-Früchte, die sehr gesund sind, da reich an Vitamin A / B sowie Kalium. Gruss an Gerlis Papa 🤗 an dieser Stelle, sie schmecken auch sehr gut 😋!

Vor der Weiterfahrt am Morgen fällt Duschen aus, es gibt ein Problem mit dem Wasserdruck und wir wollen nicht warten. Der Einkauf bei einer Gemüsehändlerin an der Strasse ist wieder einer dieser schönen Erlebnisse. Ihre alte, etwas dickliche Rottweiler Dame ist schmusig und wir Damen verstehen uns auf Anhieb, auch ohne Bosnisch, Englisch oder Deutsch. Wir kaufen Weisskohl - Tomaten - Gurken und erhalten als Geschenk dazu Trauben - Melanzani - Pfirsiche 😋.

Weiter auf unserer Route liegt der alte Flugzeughangar. Eindrücklich wie gross der ist. Auf der einen Seite kamen die Flieger hinein und auf der anderen Seiten wieder zurück auf die Start-/Landebahn. Wir fahren komplett hindurch - cooles Erlebnis.

Das nächste Ziel ist  jener Ort wo Buna und Neretva zusammen fliesen, der Bunski-Kanal.

Der Hauptkanal durch den die Neretva fliesst ist etwa 850 Meter lang, circa 3 Meter schmal und  an der tiefsten Stelle rund 14m tief. Die Buna mündet mit einer lange Reihe von Wasserfällen, deren Höhe je nach saisonalem Wasserstand maximal 2 Meter beträgt in die Neretva. Scheinbar hat es zu früheren Zeiten auch Wildwasserkanu-Wettbewerbe durch diesen Kanal gegeben.

Anschliessend fahren wir nach Mostar. Die Schranke am Parkplatz öffnet nicht 🙈. Wir wollen schon umdrehen, eilt doch ein Angestellter herbei und öffnet die Schranke manuell. Bei der Ausfahrt bemerken wir, dass die Kamera unser hoch liegendes Kennzeichen nicht erkannt und die Schranke deswegen nicht automatisch geöffnet hat.

Bis zur alten Brücke, dem Wahrzeichen der ethnisch geteilten Stadt Mostar, sind es nur wenige Schritte. Die Brücke und die Altstadt ist ein richtiger Touristen-HotSpot. Schnell ein Foto von der Brücke.

Ein Shop mit Leder-Handwerk verkauft richtig schöne Schlüsselanhänger, Gerli ist Feuer und Flamme🤩. Dino und Milo sind auch darunter 😁.

 

Das Handwerk des Kupferschmiedes (ziselieren) ist in Mostar sehr präsent. Aus vielen kleinen Werkstätten hört man beim Vorbeigehen das intensive hämmern. Auch Hülsen von Geschossen können erworben werden 🤔....  

 

Der Skywalk oberhalb von Mostar bietet eine grandiose Aussicht auf die Stadt. Lange bleiben wir nicht dort, der Wind ist kalt und böig. Im kleinen Restaurant  daneben geniessen wir die Aussicht bei 🍺 & ☕️.

Mostar ist eine geteilte Stadt, da der Fluss Neretva sie in zwei Teile trennt: das westliche, kroatisch-katholische und das östliche, bosniakisch-muslimische Mostar. Diese Teilung ist eine direkte Folge des Bosnienkriegs von 1992–1995, bei dem sich zuvor verbündete Kroaten und Bosniaken bekämpften, was zur ethnischen Teilung der Stadt führte. Die berühmte Stari Most (Alte Brücke) ist heute ein Symbol für die Versöhnung. Die Stadt ist durch eine unsichtbare Linie der Erinnerung und durch separate Schul- und Wohnviertel getrennt. Es hat einen regelrechten Wettbewerb gegeben mit dem Bau von Kirchen und Moscheen. Auch gibt es zwei Feuerwehren, eine auf der kroatisch-katholischen Seite und eine auf der bosniakisch-muslimische Seite. 
Vor dem Krieg: war Mostar eine ethnisch vielfältige Stadt, in der Kroaten, Muslime und Serben zusammenlebten. 

Die Fahrt der Neretva entlang flussaufwärts nach Sarajewo bringt uns an unzähligen Fischfarmen vorbei. In den Fjorden von Norwegen gibt es sehr viele Fischfarmen, solche Zuchtstätten in einem Fluss haben wir beide noch nie gesehen. In Jablanica konnten wir einen Blick auf die 1943 gesprengte Eisenbahnbrücke und die unzähligen Grillstationen erhaschen. Gerlinde will die am Grilll drehenden Schafe nicht genauer betrachten 😱. Müsst sie selber Tiere schlachten, wäre sie schon lange Vegetarier. Aber schmecken tut es "das Fleisch"!

Auf dem Campingplatz in Blažui angekommen erklärt uns der Besitzer die verschiedenen Möglichkeiten mit den Öffi's nach Sarajewo zu kommen. Die Fahrt nach Sarajevo verzögert sich am Samstagmorgen etwas, da wir uns läger mit einem Paar aus der Nähe von Gmunden unterhalten. Kurz vor Mittag brechen wir auf und erreichen eine Stunde später mittels Bus/ Tram die Stelle an der der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin bei ihrem Besuch in Sarajevo ermordet wurden. Das Attentat löste die Julikrise aus, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führte. 

Nur noch um die Ecke und schon sind wir im Baščaršija angekommen. Baščaršija ist offiziell nur der Name des zentralen Platzes der osmanischen Altstadt, wird aber umgangssprachlich für das gesamte osmanische Marktviertel verwendet. Unglaublich, diese Menschenmassen. Obwohl es relativ kalt ist, sind alle Strassencafés und Sitzmöglichkeiten besetzt. 

Und wie der Zufall es so will: eine Bäckerei 👍🏼, da gehen wir nicht vorbei. Diesmal gibt es Burek, gefüllt mit toll gewürzten Kartoffeln. 

Unser nächstes Ziel, das War Childhood Museum,  welches 2018 mit dem Internationalen Museumspreis des Europarates ausgezeichnet wurde, liegt versteckt in einer Seitengasse.

Auszug aus der Homepage des Museums:

Die erste Dauerausstellung des Kriegskinder-Museums wurde im Januar 2017 eröffnet. Jedes Jahr wechseln wir die Ausstellung, um bisher nicht gezeigte Geschichten und persönliche Gegenstände aus unserer Sammlung zu präsentieren.

Die Dauerausstellung umfasst 40 persönliche Geschichten, die die Bedeutung und den sentimentalen Wert der ausgestellten persönlichen Gegenstände verdeutlichen.

Für jede jährliche Rotation werden die Geschichten so ausgewählt, dass sie einen oder mehrere Aspekte des Aufwachsens in Kriegszeiten hervorheben und so die Komplexität der Kriegskindererfahrung zeigen.

Die Ausstellung konzentriert sich zwar auf die Erfahrungen derjenigen, deren Kindheit vom Bosnienkrieg geprägt wurde, umfasst aber auch einen Teil, der Geschichten von Kindern präsentiert, die derzeit von Konflikten auf der ganzen Welt betroffen sind.

Blauer Hase

Ich erinnere mich nicht an meinen Bruder. Er war nur ein bisschen älter als ich. Sie nahmen ihn meiner Mutter aus den Armen und töteten ihn. Wir flohen aus unserem Haus, ohne die Tür hinter uns abschließen zu können. Dann lebten wir in einem Flüchtlingslager. Dieser blaue Hase war das Einzige, was mir Freude bereitete. Seine Farbe und sein Lächeln erhellten die düstersten Tage. Ich spendete meine übrigen Spielsachen und behielt nur meinen Hasen.

Meliha, 1991

Frischmarkt, kleine Gässchen, muslimischer Friedhof, Geschäftsviertel sind die nächsten Stationen unsere Tour durch Sarajevo. Die k. u k. Monarchie hat in Sarajevo deutliche Zeichen hinterlassen, wie auch die Strassenbahn die aus dieser Epoche stammt. Gerlinde erinnert es an Ihre Zeit in Wien als sie viel  "BIM" gefahren ist🤭, das ist auch schon fast so lange her 🤣.

Der Sonntag startet trüb und feucht. Wir fahren auf den Berg Igman, der eine entscheidende Rolle in der Belagerung von Sarajevo hatte. Vor dem Bosnienkrieg fanden am Berg Igman Teile der Winterolympiade 1984 statt. Die Sprungschanzen sowie das Olympische Wintersportzentrum und mehrere große Hotels stehen dort, die jedoch mit dem Krieg vergessen gingen und grossteils "lost places" sind.

Teile des nördlichen Gebietes,  sind immer noch vermint. Nahe der Sprungschanzen treffen wir auf eine Gruppe Männer die mit AirSoft Gewehren an einem Teambilding Event teilnehmen. Sie haben offensichtlich Spass an ein wenig "Krieg spielen".

Der alte Militärlaster von 1962 hat uns gefallen, der Rest war, na ja 😳.

Eine der Spurngschanzen erklimmen wir und siehe da, die Sonne schein! 

Das war die grandiose Zeit von Jens Weißflog und Matti Nykänen, an die sich Gerlinde noch sehr gut erinnern kann, mit ihren damals 13 Jahren 🤣.

Vorbei am völlig zerstörten Hotel Igman fahren wir weiter zum Tunnel der Hoffnung. Die Nachbarn vom Museum keilen um die ankommenden Fahrzeuge um sich eine wenig Parkgeld zu verdienen. Wir bezahlen 5  BAM (ca 2€ 50Cent) und dürften den ganzen Tag stehen bleiben. Für den Eintritt ins Museum reicht unser bosnisches Geld nicht mehr. Ein Mann am Parkplatz wechselt uns gerne zu seinem Kurs. Nach einem freundlichen "Hvala" von Gerlinde lächelt er und legt noch 2 BAM drauf 😊. Was der wohl alles erlebt hat im Krieg?

Die Belagerung von Sarajevo war in vollem Gange, und der Ring um die Stadt Sarajevo wurde von Tag zu Tag größer. Die Bürger von Sarajevo konnten keine Lebensmittel erhalten, da serbische Truppen den Großteil der Stadt kontrollierten.

Zu dieser Zeit gab es in der ganzen Stadt nur zwei freie Zonen, eine im Stadtteil Dobrinja und die andere in Butmir. Mitglieder der Armee der Republik Bosnien und Herzegowina hatten eine Idee, die damals verrückt klang: Sie wollten einen Tunnel unter dem Flughafen graben, um die beiden freien Gebiete miteinander zu verbinden.

Es handelte sich um eine geheime Operation, von der nur wenige Menschen wussten. Der Codename lautete symbolisch „Objekt D-B“, da geplant war, die beiden oben genannten Stadtteile Dobrinja und Butmir miteinander zu verbinden.

Die Grabungsarbeiten begannen am 1. März 1993, und die Mitglieder der Armee gruben ununterbrochen, 24 Stunden am Tag. Die Schicht dauerte 8 Stunden; sie gruben gleichzeitig aus entgegengesetzten Richtungen, und ihr Lohn war eine Packung Zigaretten pro Tag.

FAKTEN ÜBER DEN TUNNEL DER HOFFNUNG VON SARAJEVO
Die Gesamtlänge des Tunnels betrug fast 800 Meter, genauer gesagt 785,5 Meter. Der gesamte Tunnel wurde in weniger als vier Monaten gegraben. Die Arbeiter hatten nur Schaufeln und Picke und Schubkarren, um den Aushub zu transportieren. Der Tunnel ist nur 1.6 m hoch und 1 m breit, und konnte daher auch nicht im Gegenverkehr benutzt werden.

Die Familie Kolar hat das Haus bewohnt und den zivilen Schein bewahrt. Einer der eindrücklichsten Kommentare eines Zeitzeugen: "Ich habe zwei Töchter, aber die grösste Freude in meinem Leben war der Zeitpunkt wo ich die Rufe von der anderen Tunnelseite hören konnte"

Unser nächstes Ziel ist der Hausberg von Sarajevo, der Trebević. Als wir auf dem Parkplatz ankommen giesst es aus Kübeln, es hat dichten Nebel und etwas Schnee liegt auch noch. Da bleiben wir doch lieber in unserer warmen Hütte und kochen uns eine heisse Suppe. Nach einer ruhigen Nacht ist der Morgen immer noch sehr nebelig und düster. Beim Frühstückskaffee lesen wir, dass es auf dem Balkan einen Wintereinbruch gegeben hat wie seit Jahren nicht mehr. Das weckt unsere Erinnerungen an Bulgarien als wir auch einen heftigen Wintereinbruch erleben durften.

Später klart es leicht auf und wir erkunden die Bobbahn zu Fuss. Auch finden wir den Fussweg zum völlig zerstörten Observatorium. Der Blick auf die Stadt ist vernebelt 🙈 . Zurück auf dem Parkplatz schläft dort immer noch die "Hütehunde-Gang", die gestern Abend Martin und Aero beim Gassigehen zum Rückzug überredet hat 🫣 🏃🏾‍♂️‍➡️.

Einkaufen in Palo und dann weiter Richtung Višegrad. Martin hat sich einen Übernachtungspunkt ausgesucht der nicht zu erreichen ist. Zurück auf die Strasse R448, die wieder einmal durch endlose Wälder führt und dann doch auf Ihrem höchsten Punkt uns einen Blick über Teile von Bosnien erlaubt. Kurze Beratung: Wald genug für heute, hier bleiben wir. Aero füttern und bewegen, ein Foto machen und der nächste Regenschub nimmt die Sicht und böiger Wind peitscht an den LKW. 

Die Aussen-Temperatur in der Nacht sinkt auf 2ºC, da brauchen ältere Männer schon eine "Schlafkappe"! 🤣

Auch der nächste Morgen ist kalt und trüb. Die Fahrt in das bosnische Višegrad  durch das Tal der Drina ist landschaftlich wunderschön und sehr abwechslungsreich.

Minen sind überall, heute direkt neben der Strasse im Tal der Drina. Der Fluss spielte eine entscheidende Rolle im Bosnienkrieg wie auch die Brücke über die Drina. Die vielen Erinnerungen an den Krieg lassen uns erschaudern.

Bei unserem Rundgang finden wir viele Statuen und Wandbilder von serbischen Persönlichkeiten - Nicola Tesla (serbisch-amerikanischer Erfinder und Elektroingenieure, dessen Patente massgeblich zum Zweiphasen Wechselstrom Netz beigetragen haben), Petar II. Petrović-Njegoš (bedeutendster Dichter des serbischen Sprachraumes) und Ivo Andrić (Literaturnobelpreisträger und Autor von "Die Brücke über die Drina")

Kaltes Wetter, Regen und ein Stadtrundgang ohne Essen: nicht mit uns! An einem Imbiss Stand kaufen wir Pita-Brot gefüllt mit Cevapcici, Zwiebel, Salat, Gurken und Tomaten 🤤 -  und wir reden über Hassan (AHI-Imbiss) aus Hallein und wie toll es ist, hat er für seinen Stand neben dem Bahnhof wieder einen Platz gefunden. Vor unserer Reise konnten wir noch zweimal zu ihm Kebab und Döner essen gehen 👍🏻😁!!