Wir treffen uns heute mit Matthieu, einem ehemaligen Arbeitskollegen und Nordelsässer in Sélestat. Er ist zufälligerweise gerade im Elsass und unterbricht seine Rückreise ins Wallis für uns.
Wir geniessen zusammen elsässische Spezialitäten und tauschen Erinnerungen aus. Matthieu gibt uns auch noch weitere Tips und Ziele für unsere Reise. Lieber Matthieu, Danke dafür 🙏🏽.
Nicht schon wieder 🤭, doch unser Platz für die Nacht ist wiederum in einem Weinberg. Die Zufahrt ist schmal, trotzdem finden wir einen komfortablen Schlafplatz. Am frühen Morgen kommt Leben in die diversen Weinberge. Kleine Traktoren flitzen umher - pflügen, düngen oder ernten die Spätlese.
Erster Tipp von Matthieu: Oberehnheim oder Obernai auf 🇫🇷. Bei gutem Wetter besuchen wir das Städtchen und spazieren quer durch die Gassen entlang der Stadtmauer und freuen uns über die wiederum riesige Fussgängerzone. Der Markt wäre Donnerstags, schade, denn 3 Tage warten ist uns nun doch zuviel. Wir degustieren zwei Biere aus der Region bevor wir einkaufen und weiterfahren.
Wie schon die Tage vorher vermeiden wir wo immer möglich die Mautstrassen. In Frankreich gelten andere Regeln: Diese Zeichen gelten nicht für Wohnmobile über 3.5 t.
Alle Verkehrszeichen, auf denen ein LKW abgebildet ist, betreffen nur den gewerblichen Güterverkehr
und keine Wohnmobile, unabhängig von den Zusatzschildern, ausgenommen "AUX CAMPING_CAR
Wir fahren über kleiner Pässe, füllen eiskaltes Wasser aus einem Brunnen auf und finden einen Platz für die Nacht. Es hätte eigentlich viele Parkplätze im Wald, leider mit der in Frankreich üblichen Höhenbeschränkung von 1,9m, welches doch deutlich zu niedrig ist 😥 für unsere 3.3m 😂. Aber wie immer, ist auch für uns noch ein schnuggeliges Plätzchen im nirgendwo frei ☝🏻🤭.
Der Stausee zeigt Spuren der Trockenheit, da fehlen einige Meter Wasser.
Am sonnigen nächsten Morgen starten wir zu einem Mountainbike-Trail rund um den See, der toll ausgeschildert ist und wir ohne Navi die 28km rundum finden 🤪. Auch nach dem ausgezeichneten lokalen Bier 😎.
Zurück am LKW dürfen Katz und Hund raus, wir duschen, kochen und genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages.
Unser heutiges Ziel ist Verdun, insbesondere das Beinhaus von Douaumont (Ossuaire de Douaumont).
Aus verständlichen Gründen darf im Innern der Kapelle nicht fotografiert werden. Darum gibt es davon keine Bilder.
Ossuaire de Douaumont
Das Ossuaire de Douaumont erinnert an die Gefallenen der Schlacht um Verdun im Ersten Weltkrieg, die von Februar bis Dezember 1916 dauerte und zu den verlustreichsten Kämpfen des Krieges zählt. Im Beinhaus ruhen die Gebeine von schätzungsweise 130.000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten. Sie sind hinter kleinen Fenstern in den Außenmauern sichtbar. Der 46 Meter hohe Turm bietet einen Blick über das umliegende Schlachtfeld und den davorliegenden französischen Soldatenfriedhof mit mehr als 16.000 Gräbern. Das 1932 eingeweihte Denkmal steht als Symbol für die Erinnerung an die Opfer des Krieges und für die Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland.
Wir bleiben in der Nähe des Beinhauses stehen, da wir am Folgetag noch die Feste von Douaumont besuchen möchten. In der Nacht beginnt es zu regnen und der nächste Morgen erwartet uns mit kühlen Temperaturen
Das Fort Douaumont
wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Teil des Verteidigungsgürtels um Verdun errichtet. Während der Schlacht um Verdun im Jahr 1916 nahm die deutsche Armee das Fort nahezu kampflos ein, da es zu diesem Zeitpunkt nur schwach besetzt war. Für beide Seiten hatte die Anlage große strategische und symbolische Bedeutung. Nach schweren Kämpfen und hohen Verlusten wurde Fort Douaumont im Oktober 1916 von französischen Truppen zurückerobert. Die unterirdischen Gänge, Kasematten und Geschützstände vermitteln einen eindrucksvollen Einblick in die Bedingungen des Stellungskrieges.
Kurzfassung der Schäden in Frankreich im 1. Weltkrieg:
- 10 Departement verwüstet
- 450´000 Wohnungen zerstört
- 22´900 Fabriken zerstört
- 2 Millionen Hektaren Kulturland unbenützbar
- 3000km Schienenstrecke zerstört
- 58´000km Strassen zerstört
- ∼ 1,3 - 1,4 Millionen tote Soldaten
Anschliessend fahren wir zu einer Wäscherei, die bei Google Maps 80 Bewertungen und volle 5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ hat- das ist eigentlich unmöglich 🤔. Wir wurden nicht enttäuscht: Sauber, moderne und professionelle Maschinen, verschiedene Bezahlungsmöglichkeiten und sogar Parkplätze vor dem Haus. Und da wir sogar unser eigenes Waschmittel verwenden konnten, duftet die Wäsche so wie zu Hause. Gerlinde ist da etwas heikel, Wäscheduft und Kaffee tauscht sie nur unter Zwang und wenn es gar nicht anders geht. Gell, so hat jeder seinen V.... 🦜🦤🦩🦃 - 😅
Beim Einkaufen findet Gerlinde einen der 4 berühmten Weichkäse Sorten der Normandie: Pont-l'Évéque ❤️ -
Hervorragend zusammen mit dem frischen Baguette 🥖- weitere 🧀-Sorten werden noch folgen 😋💪🏻.
Auf dem Parkplatz der Festung Hackenberg (Teil der Maginot-Linie) in mitten der Natur parken wir ein und es gibt mal Suppe mit ALLerlei (was weg muss) 🙃.
Da die Führung erst um 1430 beginnt, lassen wir es ruhig angehen. Frühstücken, kleinere Spaziergänge mit Aero. Milo darf jetzt nicht raus, es nieselt ein wenig und wer will schon eine nasse Langhaar-Katze 😱.
Pünktlich um 1430 startet die Führung, spannende 2Std und 45MIn und keine Minute Langeweile. Geschichte, Fakten zur Anlage und zum Kriegsverlauf und die schiere Grösse der Anlage hinterlassen einen bleibenden Eindruck.
Fakten Festung Hackenberg
Die Festung Hackenberg (🇫🇷 Ouvrage du Hackenberg) liegt unweit der luxemburgischen Grenze. Sie war ein bedeutender Teil der Maginot-Linie, eines französischen Verteidigungssystems entlang der damaligen Grenze zu Deutschland bis hinunter nach Korsika. Die Anlage wurde zwischen 1929 und 1935 errichtet und gilt als eines der größten sowie am besten erhaltenen Artilleriewerke der Maginot-Linie. Sie umfasst rund 19 Kampfblöcke, die durch mehrere Kilometer lange unterirdische Stollen verbunden sind. In der Festung konnten mehr als 1.000 Soldaten untergebracht werden; neben Kasernen gab es unter anderem eine Küche, ein Kraftwerk, Lagerräume und eine kleine Bahn für den Materialtransport. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Hackenberg 1940 nicht eingenommen, musste jedoch nach dem Waffenstillstand von Compiègne auf Befehl der französischen Führung übergeben werden.
Pro Nacht bezahlen wir dem Verein der die Festung betreibt 5,5€ und dürfen auch unseren Wassertank auffüllen.
Auch unser nächstes Ziel hat mit Stollen zu tun. Obwohl auf der Homepage steht, dass das Museum geschlossen sein soll, fahren wir dorthin und werden positiv überrascht. Das Bergwerksmuseum in Neufchef hat geöffnet. Unser Führer war hoch motiviert und wusste vieles zu erzählen, sei es vom Beginn des Eisenerz - Bergbaus in Lothringen bis hin zur Industrialisierung. Leider nur in 🇫🇷 und soviel, dass die Zusammenfassung für Gerlinde erst gemacht werden konnte als wir zurück im MIMOG waren.
Und heute ist der dritte und letzte Tag, wo wir untertage unterwegs sind. Heute steht die Festung Michelsberg auf dem Programm. Während des deutschen Westfeldzugs im Jahr 1940 wurde das Festungswerk nicht direkt erstürmt, sondern nach dem unterzeichneten Waffenstillstand an Deutschland übergeben.
Zu bestaunen gab es die Sprechverbindung mittels Sprachrohr, ein funktionierender Diesel Motor (245PS) mit Druckluftstarter für die Stromerzeugung, einer Drehbank die in der Werkstatt noch genutzt wird, bis zu den Duschen, der Küche und PC (Post Commandement). Die Anlage leidet enorm unter der Feuchtigkeit, was das Erlebnis aber keinesfalls schmälert.
Passend zu den letzten Tagen nützen wir diese Nacht den Parkplatz an einem Friedhof und Gerlinde ist jetzt mal froh ein paar Tage Pause von Weltkrieg I / II zu haben. Trauer, Ohnmacht, Schmerz - dieses unfassbare Leid 😱, und es hört nicht auf! Es hat immer Krieg gegeben und vermutlich wird es immer Krieg geben 🙈.
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