06 - 🇫🇷 Mont Saint Michel und mehr vom Land von Asterix und Obelix

Veröffentlicht am 8. November 2026 um 22:49

Der Wohnmobilstellplatz Agon füllt sich, wir ziehen weiter und machen Platz für andere. Wir fahren nach Avranches und wollen dort ins Museum und in der Kirche den Kopf mit dem Loch anschauen 🤣. Kurz vor dem Hauptplatz bieten sich Parkplätze für uns an. 100 Meter weiter, am eigentlichen Parkplatz ist Wochenmarkt und alles voll 🙃.

Das Museum "Skriptorial" öffnet um 1400 Uhr, so so nützen wir die Zeit für einen Stadtrundgang, für den Besuch der Kirche "Notre Dame-des-Champs" und den Garten "Jardin des Plantes". Vom Garten aus, in weiter  Ferne, ist  Mont-Saint-Michel zu sehen und ja, ohne Frage, sehr beindruckend, auch aus dieser Perspektive.

Der Bischof mit dem „Loch im Kopf“ und Mont-Saint-Michel

Der Überlieferung nach erschien dem Bischof Aubert von Avranches im frühen 8. Jahrhundert der Erzengel Michael mehrmals im Traum und forderte ihn auf, auf dem damaligen Mont Tombe eine Kirche zu errichten. Weil Aubert zunächst zögerte, soll der Erzengel mit dem Finger ein Loch in seinen Schädel gedrückt haben. Der Kopf ist in der Kirche Saint-Gervais ausgestellt und gilt als Zeichen dieser Legende. Auf dem Mont Tombe entstand ab 708 ein erstes Heiligtum; daraus entwickelte sich später die berühmte Abtei Mont-Saint-Michel. Historisch ist die Geschichte vom Fingerabdruck des Erzengels nicht belegt, sie gehört jedoch zu den bekanntesten Gründungslegenden des Mont-Saint-Michel.

Das Scriptorial d’Avranches ist ein Museum, das dem schriftlichen Erbe des nahe gelegenen Mont-Saint-Michel gewidmet ist. Im Mittelpunkt stehen kostbare mittelalterliche Handschriften aus der ehemaligen Abteibibliothek, darunter viele religiöse Texte, wissenschaftliche Werke und prächtig illuminierte Manuskripte. Die Sammlung gewährt anschauliche Einblicke in die Arbeit der Mönche, Schreiber und Buchmaler sowie in die kulturelle Bedeutung des Klosters. Das Scriptorial macht diese empfindlichen Originale auch einem breiten Publikum zugänglich. Jeweils zwölf Bücher werden für drei Monate ausgestellt, bevor sie für drei Jahre zum Schutz vor Licht wieder in der Dunkelheit verschwinden.

Bewaffnet mit einem Audioguide schlendern wir durch die Ausstellung. Viele der spannenden Informationen  können wir erst im Nachgang richtig verarbeiten. 

Das Ende des Rundgangs führt durch den Tresor. Klimatisiert und dunkel in Vitrinen gesichert, sind  12 ausgewählte Bücher für 3 Monate sichtbar. Die ältesten Exemplare aus 1045 n. Chr. Man sieht hier förmlich den Schreiber über Monate sitzen und mit  Federkiel Zeichen um Zeichen das Buch kopieren. 

 

An der Küste finden wir unseren Schlafplatz auf einer riesengrossen Wiese, die gegen eine freiwillige Spende für die franz. Seenotrettung zur Verfügung gestellt wird.  Bei einem tollen Sonnenuntergang mit Blick auf den Mont Saint Michel klingt dieser schöne Tag für uns aus. 

Am nächsten Morgen, an einem Aussichtspunkt, gibt es einen weiteren schönen Blick, nicht nur auf Mont Saint Michel, sonder auch auf eine Gruppe Wanderer die sich durch einen Graben mühen.  Der rutschige Schlick lässt einige Wanderer schon am Beginn des Weges zum Berg grau aussehen 🙃🤣.

Am 2CV Kaffee-Auto, mit Siebträger-Kaffeemaschine und selbst gemachten Cookies, bestellen wir für uns. Der lustige Verkäufer am Auto, ein Australier, korrigiert doch tatsächlich, im kräftigen australisch-französisch Dialekt, Martins Satzstellung 🤣! Der Kaffee ist sehr gut, die Cookies auch 😍.

Der Stellplatz unweit von Mont-Saint-Michel hat 85 Stellplätze und wir sind zu viert auf diesem Platz. Milo und Aero dürfen da natürlich auch raus.

Die Sonne scheint, Martin nimmt die Räder vom LKW und wir radeln noch die wenigen km Richtung Mont Saint Michel 😋 👍🏼.

Sonntagabend und viele Leute sind immer noch unterwegs. Wir können einige Photos machen und auch die Drohne steigen lassen. 

Für den eigentlichen Besuch am nächsten Morgen war erstmal die Luft raus 🤷🏻‍♀️-  nicht bei uns aber am Reifen von Gerlindes Velo. Der Stachel einer Kastanienschale ist die Ursache. Mit etwas Verspätung starten wir wieder in Richtung Mont Saint Michel. 

Heute Montag sind deutlich weniger Menschen unterwegs. Fotografisch ist es ein trüberer und grauer Tag. Der Eingang in das Dorf erinnert uns an die Besichtigung der Burg von Carcassonne in Südfrankreich: eine schmale Gasse, gesäumt von Restaurants und Souvenir Shops auf beiden Seiten.

In der Abtei kaufen wir uns Tickets + Audioguide in Deutsch, der diesmal ein Tablet ist. Wir sehen 3D Animationen hin bis zu verschiedenen Ansichten der Räume in diversen Epochen. Wir erleben wie sich die Räume verändert haben und können uns so das Leben dazumals noch besser vorstellen. 

Während des Hundertjährigen Krieges konnte die stark befestigte Insel mehreren englischen Angriffen standhalten und wurde dadurch zu einem Symbol des französischen Widerstands. Nach der Französischen Revolution wurde das Kloster aufgehoben und zeitweise als Gefängnis genutzt. Im 19. Jahrhundert setzte sich der Schriftsteller und Politiker Victor Hugo für den Erhalt des Bauwerks ein. Seit 1863 wird der Mont-Saint-Michel nicht mehr als Gefängnis verwendet, und ab 1874 stand die Abtei unter Denkmalschutz. Heute gehört der Mont-Saint-Michel gemeinsam mit seiner Bucht zum UNESCO-Welterbe und zieht jährlich zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Besonders bekannt ist die Insel für die starken Gezeiten, durch die sie bei Hochwasser zeitweise vom Festland getrennt sein kann.

Am nächsten Morgen fahren wir ins Landesinnere nach Fougères. Dort steht die grösste erhaltene mittelalterliche Burg Europas. Auch hier lassen wir uns per Audio durch die Gemäuer führen. Der Audioguide füllt unsere Köpfe mit viel Information - so zum Beispiel von der Gemeinschaftslatrine in einem der Türme, deren Exkremente direkt in den Burggraben entleert wurden oder einer  50 Jährigen Liebesgeschichte aus der 22.000 Briefe entstanden sind. Wie unromantisch wir heute doch mit WhatsApp, Messenger, Signal oder Telegram texten und diese binnen Sekunden quer über alle Kontinente senden können 🤣.

Danach streifen wir durch die Stadt, an der Sankt Leonard Kirche steht einladend die Tür offen. Die Kirche existiert seit dem 12. Jahrhundert. Schade scheint keine Sonne, die riesigen Bogenfenster sind sehr farbenprächtig.

Die Bar am Rückweg hat sehr gutes Bier- es dauert nicht lange müssen wir doch auch etwas Essen 🤪, den Unimog haben wir wieder gefunden.

Der Plan des nächsten Zieles von gestern Abend löst sich mit einem einzigen Satz in Luft auf: Ich will noch Fleisch vom Salz-Wiesen-Lamm kaufen. Dieses Fleisch gibt es aber nur rund um Mont-Saint-Michel und der Küste entlang Richtung Cherbourg.

Ein Salzwiesenschaf (oft vermarktet als Salzwiesenlamm oder im Französischen Agneau de prés-salés) ist keine eigenständige Schafrasse, sondern eine Bezeichnung für Schafe, die auf Salzwiesen an den Küsten grasen. 

Durch die ständige Beweidung der von Meerwasser überspülten Deiche und Vorländer ernähren sich die Tiere von salztoleranten Pflanzen wie Queller, Andelgras, Strandflieder und Seelavendel. Diese besondere Ernährung verleiht dem Fleisch von Salzwiesenlämmern einen weltbekannten, einzigartigen, natürlich würzigen und leicht salzigen Geschmack bei gleichzeitig sehr magerer Textur.

Wir fahren daher nach Pondorson und übernachten dort auch. Milos Ausflüge entfernen sich immer weiter vom LKW. Selbstsicher schleicht er durchs Gelände und zerrt Mensch hinter sich her 🤣.

Will Mensch den Rückweg antreten folgt eine lautstarke Reklamationswelle 😅. Ach, wie lieben wir diesen Kater 😻. Heute gibts Jause mit feiner Schafwurst aus Kuchl, Danke liebe Kathrin, sehr fein😋.

Der Morgen startet mit dem Einkauf beim sehr netten Metzger, der uns die Lammkotelett einpackt sowie frisches Sauerkraut, Blutwürste und Schaffleischwürste. Na ja, wenn wir schon mal da sind 🤷‍♀️😋.

Die Weiterfahrt stoppen wir bei einem Gemäuer aus der Wikingerzeit, das gemäss Google Maps bei Flut versunken sein soll. Ein Jäger, den wir hier treffen, erzählt uns von der Theorie einer grossen Reusse die  Fischer genützt haben. Von Land sehen wir nicht wirklich viel. Martin macht einige Aufnahmen mit der Drohne. Die Luftaufnahmen zeigen ein Quadrat mit einer Öffnung. 😬 Na, ja 😎!

In der Nähe befindet sich der kleine Ort Saint Suliac, der als sehr schön, mit schmalen Strassen und keinen Parkplätzen für Touristen beschrieben wird. Wir parken vor der Ortschaft ein und schlendern zu Fuss durch die Gassen die wirklich sehr eng sind 😇.

 

 

 

In der Kirche finden sich zahlreiche Darstellungen und Holz-schnitzereien mit Bezug zur Seefahrt. Auch einige hölzerne Modellboote sind dort zu sehen.

Der nächste Stopp liegt am weltweit zweitgrössten Gezeitenkraftwerk.

Das Gezeitenkraftwerk an der Rance (Usine marémotrice de la Rance)  nahe Saint-Malo, nutzt den starken Tidenhub der Rance-Mündung zur Stromerzeugung. Es wurde 1966 in Betrieb genommen und zählt mit einer installierten Leistung von rund 240 Megawatt zu den bekanntesten Gezeitenkraftwerken Europas. Eine Staumauer trennt den Fluss Rance zeitweise vom Meer: Bei Ebbe und Flut strömt Wasser durch Turbinen, die in beide Richtungen arbeiten können. Das Kraftwerk erzeugt jährlich ungefähr 500 Gigawattstunden Strom.

Das derzeit grösste Gezeitenkraftwerk ist seit 2011 in Südkorea in Betrieb mit einer Leistung  von 254 Megawatt.

Das Innere kann im November nur an Samstagen besucht werden. Heute ist Donnerstag - also schauen wir uns die Schleuse für die Schiffe an, wandern über die Mauer unter der die 24 Kaplan-Turbinen verbaut sind und die mobilen Schleusen für Reparaturarbeiten an den Turbinen stehen.

Unser heutiges Endziel ist die als sehr charmant beschriebene Stadt "Dinan". Auch einen Wohnmobilstellplatz mit 100 Plätzen auf einer Wiese unweit des Hafens, soll es geben.  Die Überraschung des Tages -  die grosse Wiese ist gesperrt 🙈!!  Die Anreise durch den Hafen ist jedoch überzeugend und so begnügen wir uns mit einer schmucklosen Ecke zwischen einer Baustelle und der gesperrten Wiese 😆

Martin schwingt draussen die Pfanne mit den Lammkotletts, dazu Erdäpfel, eingelegten sauren Zuchini und leckeren Camembert. Für den heutigen Nachtisch schlendern wir in eine Crêperie im Hafen. Die Brücke hinter uns und auch der Hafen sind nachts wunderschön.

Crêpes für Gerlinde, eine Galette für Martin mit einer Flasche Cidre. Unser Tischnachbar  bastelt noch schnell aus dem Käfig des Korken ein kleines Andenken für Gerlinde 😍.

Ein Werbeflyer im Lokal vom Strassenmusiker-Festival in Quintin macht uns neugierig. Wir verwerfen unser Pläne und entscheiden, morgen nach der Stadtbesichtigung zu diesem Fest zu fahren. 

 

Dinan ist für eine gut erhaltene, mittelalterliche Altstadt bekannt.  Die Stadt liegt noch leicht im Nebel und es hat 4 °C. Im Zentrum in der Fussgängerzone ist schon einiges los, ein Tratsch hier, ein Hallo dort, die Häuser bewohnt und es gibt viele kleine Geschäfte. Das Flussufer mit dem Hafen ist über eine steile Strasse mit dem Stadtzentrum verbunden und zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar. Auch eine Burg hat Dinan, die wir aber nicht besuchen. 

Unsere Reise geht weiter nach Quintin zum Strassenfestival. Gegen 1300 Uhr erreichen wir die 3000 Seelen Gemeinde und staunen über die grosse Anzahl an Wohnmobilen. Wir finden einen schönen Schotterparkplatz an dessen Rand wir einparken. Schon bald sind auch die restlichen Plätze vergeben. Rechts von uns Wiese, 70cm links von uns das nächste Wohnmobil 😂!

Einkaufen zu Fuss und als Belohnung bringen wir Fleisch aus dem Supermarkt mit, extra für Tiere: Viande pour Animaux, 1Kg für 1.60 Euro 🙌🏼. Milo der heikle Vorkosten hat es für gut befunden, Aero bekommt natürlich auch davon. Morgen startet das Festival und wir sind schon sehr gespannt darauf 🤩!